Berner Familie sitzt in Senegal fest – und baut sich ein Haus
08.02.2021 | 5minGestrandet und geblieben
Wegen Corona steckt Familie Arnold seit einem Jahr in Westafrika fest. Von Einheimischen erst als Virusbringer verjagt, will sie nun nicht mehr weg.
Eigentlich wollten sie nur ein paar Monate mit dem Camper durch Afrika reisen. Die Pandemie hat den Trip für Stefan (48), Christelle (33) und Amira (5) Arnold aber zur abenteuerlichen Odyssee gemacht – und ihnen nun ein neues Zuhause beschert.
Die schier unglaubliche Geschichte, über die das Online-Portal Swissinfo berichtet, beginnt im Dezember 2019. Die dreiköpfige Familie aus Bern bricht im heimischen Mattequartier auf. Mit dem 4x4-Camper gehts auf dem Landweg nach Gibraltar und von dort mit der Fähre rüber nach Marokko.
Mit Steinen beworfen
Das Ziel: Auf vier Rädern durch Westafrika bis runter in die Elfenbeinküste, wo Christelle Arnold Wurzeln hat – und wo für das Ende der Reise ein gebuchtes Miethaus wartet.
Dort kommen sie aber nie an. Als im März 2020 das Coronavirus die Welt lahmlegt, sind die Arnolds in Senegal unterwegs. Eine Ausreise auf dem Landweg ist wegen der geschlossenen Grenzen auf einmal nicht mehr möglich.
Dies ist für die Schweizer in diesem Moment aber das kleinste Problem. Die Einheimischen beginnen vor allem gegenüber dem 48-jährigen, hellhäutigen Familienvater misstrauisch zu werden. Sie halten ihn für einen Chinesen, der das Virus eingeschleppt haben und es weiterverbreiten könnte. «Ich wurde angespuckt, Steine wurden uns hinterhergeschmissen», so Arnold gegenüber Swissinfo.
Dorfbewohner planten Überfall
Als er eines Morgens joggen geht, kommt ein Motorrad angebraust. Der Fahrer warnt Arnold: Gegen ihn werde ein Überfall geplant. «Zwei Dörfer hatten sich zusammengeschlossen, um mich einzusperren.» Die Familie packt schliesslich alles zusammen und flüchtet mit dem Camper.
In einem verlassenen Hotel findet sie Unterschlupf, freundet sich mit dem Wärter des Grundstücks an, mit dem sie das Essen teilen kann. Der Alltag bleibt aber eine Herausforderung. Die senegalesischen Behörden beschliessen einen strengen Lockdown, schränken den Bewegungsradius der Bevölkerung stark ein.
Hier hat sich die Familie Arnold niedergelassen
Das Problem am Ort, wo sich die Arnolds befinden: Der nächste Bancomat befindet sich rund 50 Kilometer entfernt und damit ausserhalb des erlaubten Radius. «Zum Glück hatten wir genügend Bargeld als Reserve», so Arnold.
«Ohne Covid hätten wir niemals unser Paradies gefunden.»
Ende Mai entspannt sich die Situation etwas. Die Familie hofft, dass sie es nach Ende des Lockdown wie geplant mit dem Camper zurück in die Schweiz schafft. Doch die Grenzen bleiben zu.
Land gekauft, Haus gebaut
Also ändert die Familie ihren Plan. Im Südwesten Senegals – zwischen dem Fluss Casamance und dem Atlantischen Ozean – kauft sie sich ein Grundstück so gross wie zwei Fussballfelder. «Auf diese Weise hatten wir wenigstens einen Platz, wo wir mit unserem Camper bleiben konnten.» Die Arnolds bauen zunächst einen Brunnen, später sogar ein Haus.
Jetzt wollen die drei gar nicht mehr in die Schweiz zurückkehren. «Sehr wahrscheinlich bleiben wir die nächsten paar Jahre hier», sagt Stefan Arnold. Dank seines Jobs als selbstständiger Webdesigner ist das möglich – in Homeoffice-Zeiten sowieso. «Da kommt es nicht darauf an, ob ich in Bern oder in Senegal sitze.»
Corona wurde zum Segen
Die kleine Tochter Amira, so der Plan, soll bald eine Privatschule besuchen. Arnolds Frau Christelle – eine gelernte Köchin – versucht zudem, das Grundstück so zu bestellen, dass sich die Familie selbst versorgen kann.
Und die Pandemie? Davon merke man vor Ort kaum etwas. «Die Leute machen hier Party ohne Ende.» Weil die medizinische Versorgung in der Gegend zu wünschen übrig lasse, hätten sie sich nun etwas zurückgezogen, um das Gesundheitswesen möglichst nicht in Anspruch nehmen zu müssen.
Trotz allem Negativen, das Corona anrichtet, und trotz all den Plänen, die es durchkreuzt: Den Arnolds hat es letztlich auch etwas Positives gebracht. Stefan Arnold sagt es so: «Ohne Covid hätten wir niemals unser Paradies gefunden.»