Berner Familie steckt monatelang in Senegal fest – und baut sich ein Haus

13.03.2021 | 7min

Wegen Corona

Eigentlich wollte die Familie Arnold bloss für eine Weile verreisen. Doch dann brach das Coronavirus aus. Seither stecken die Berner in Westafrika fest – und haben sich dort ihr Paradies errichtet.

Darum gehts

  • Stefan, Christelle und Amira aus Bern sitzen seit mehr als einem Jahr im afrikanischen Senegal fest.

  • Aufgrund der Coronakrise können sie nicht ausreisen.

  • Als die Pandemie startete, hatte die dreiköpfige Familie mit Rassismus und Ablehnung zu kämpfen. Aussichtslos und ohne Plan trieb sie durch den Alltag.

  • Mittlerweile sieht alles anders aus: Die Familie besitzt ein Grundstück am Meer und baute sich ein eigenes Haus. Hier wollen sie die nächsten paar Jahre verbringen.

Im Dezember 2019 reisten Stefan (48), Christelle (33) und Tochter Amina (5) mit dem Camper durch Afrika.
Sie wollten einige Wochen in der Elfenbeinküste verbringen und dann wieder nach Hause kehren. Doch Corona machte der Familie einen Strich durch die Rechnung.
Denn als im März 2020 die Pandemie startete, wurden die Landesgrenzen geschlossen. Die Familie konnte nicht mit ihrem Camper nach Hause fahren – und steckte in Senegal fest.
Für viele Tage blieb die Familie planlos wohnhaft in einer alten Hotelruine. Dort konnten sie ihre Sachen lagern und ihren Camper abstellen.
Als klar wurde, dass die Familie so bald nicht wieder nach Hause zurückkehren kann, änderten sie ihren Plan. Sie kauften ein eigenes Grundstück, direkt am Fluss
Dort bauten sie mit Hilfe von Nachbarn und neuen Freunden einen Brunnen. Eine Erleichterung: «So mussten wir nicht mehr ständig Wasser holen gehen», sagt Stefan Arnold
Als Nächstes stellten sie Ziegelsteine her und bauten eine Strasse, die zu ihrem Grundstück führt
Im August 2020, als jegliche Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Schweiz verblasst war, begannen sie mit dem Bau eines eigenen Hauses.
Stefan Arnold, der als selbstständiger Webdesigner arbeitet, kriegte einen neuen Arbeitsplatz – rund 4’000 Kilometer von zu Hause entfernt.
Seine Frau Christelle ist gelernte Köchin und kümmert sich unter anderem um den riesigen Garten. Die fünfjährige Tochter wird bald die Schule besuchen.
Nun ist das neue zu Hause der Familie fertig gebaut. «Die nächsten paar Jahre werden wir hier verbringen», so Stefan. Denn: «Jetzt haben wir nicht nur einen Plan; wir haben ein kleines Paradies und ein traumhaftes Happyend.»

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Mit dem Camper in die Elfenbeinküste – das war das ursprüngliche Ziel der Familie Arnold, als sie im Dezember 2019 von zu Hause losfuhr. In der Elfenbeinküste wartete bereits ein gebuchtes Mietshaus auf die Berner Familie. Doch dort kam sie nie an. Stattdessen strandeten Stefan (48), Christelle (33) und Amira (5) Arnold in Senegal , wo sie sich auch heute – mehr als ein Jahr später – noch aufhalten.

Mit Steinen beworfen und angespuckt

Als die Familie in Richtung Mali unterwegs war, erhielten sie einen Anruf, der alles verändern würde. «Ein Virus ist ausgebrochen. Ihr habt noch drei Tage Zeit, dann werden die Grenzen geschlossen», teilte ihnen ein Bekannter mit. Es war mittlerweile März 2020 – die Startzeit der Pandemie. Stefan Arnold, seine Frau und Tochter waren planlos; in drei Tagen ihr Ziel zu erreichen war unmöglich. Auch eine Ausreise war keine Option mehr – sie steckten in Senegal fest.

Hinzu kam das zunehmende Misstrauen der Einheimischen gegenüber dem hellhäutigen Familienvater. «Wenn sie mich sahen, streckten sie ihre Arme in die Höhe, rannten vor mir davon und schrien: Corona! Corona!», erzählt Stefan Arnold gegenüber 20 Minuten. Er sei bespuckt und mit Steinen beworfen worden. «Die Einheimischen dachten, dass nur Weisse das Virus kriegen können und hatten Angst vor mir.» Die folgenden Wochen seien demnach erniedrigend gewesen. Die Familie war in der Fremde gestrandet – und die Einheimischen liessen sie das auch spüren.

«Wir rannten mit Herzklopfen, weil wir so Angst hatten»

Also zog sie sich zurück. Auch, weil im Land Chaos herrschte. Wer sich nicht an die Coronaregeln hielt, wurde von der Polizei verprügelt oder eingesperrt, erzählt Arnold. «Einmal haben wir uns unerlaubterweise nach 18 Uhr draussen aufgehalten, weil wir Verspätung hatten. Wir rannten mit Herzklopfen nach Hause, weil wir solche Angst hatten.»

Mit dem Camper liess sich die Familie bei einer verlassenen Hotelruine nieder. In dieser Gegen lernten sie schnell neue Leute kennen. «Wir freundeten uns mit Einheimischen an und teilten unser Essen», so Stefan. Die Lage hatte sich beruhigt – und die Stimmung erhellte sich. Und spätestens, als die Familie realisierte, dass sie wohl noch lange nicht in die Schweiz zurückkehren kann, entstand ein neuer Plan.

Seit mehr als einem Jahr hält sich die Berner Familie Arnold nun in Senegal auf. Die Grenzen sind nach wie vor geschlossen.
«Karamba Bolong» tauften sie ihr eigenes Grundstück. «Karamba heisst Natur, und Bolong heisst Meeresarm», so Stefan

Grundstück gekauft, Haus gebaut

Sie tat, was sie anfangs nicht für möglich hielt: «Wir kauften ein eigenes Grundstück und bauten uns ein Haus», so Arnold. Das Grundstück sei ungefähr so gross wie zwei Fussballfelder. «Mit Hilfe von Nachbaren und Freunden bauten wir als Erstes einen Brunnen», sagt Arnold. Strom hatten sie im Camper. Als nächstes präparierten sie eine Strasse, dann folgte ihr Herzensprojekt: «Als wir die Hoffnung auf eine Rückkehr definitiv aufgegeben hatten, bauten wir dann unser eigenes Haus.» Und dort wohnt die Familie jetzt – rund 4’000 Kilometer von ihrem alten zu Hause entfernt.

Wie Corona zum Segen wurde

Im neuen Zuhause will die Familie bleiben – auch wenn sich die Grenzen wieder öffnen. «Die nächsten paar Jahre werden wir wahrscheinlich hier verbringen», so Stefan. Er arbeitet, seine Frau Christelle kreiert derweilen ein kleines Paradies aus dem grossen Garten. Die fünfjährige Amina soll bald eine Privatschule besuchen. «Jetzt haben wir also nicht bloss einen Plan, sondern unser eigenes kleines Paradies und ein traumhaftes Happyend.»